Natural Horsemanship

 

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Natural Horsemanship

Sprache der Pferde

Kommunikation ist die Basis zwischen Mensch und Pferd. Das Pferd nimmt unser Auftreten, unsere Gefühle und Empfindungen körpersprachlich wahr und ordnet jede Handlung von uns als Stärke oder Schwäche ein. Jeder „Fehler“ den wir machen, jede Inkonsequenz wird vom Pferd als Minuspunkt gespeichert. Je ausgeprägter die Minusseite, desto mehr übernimmt das Pferd das Kommando und misstraut unseren Führungsqualitäten.

Zu Recht. Denn das ist die Natur des Pferdes, auch in der Herde gibt es unter allen Herdenmitgliedern eine Rangordnung. Die Hierarchie darin wird stetig geprüft und sichert das Überleben.

Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick sagt: „Man kann nicht NICHT kommunizieren.“ Jede Geste, die Art wie wir uns bewegen, jede Mimik, ja sogar, wenn wir glauben „nur dazustehen“ und scheinbar „nichtszutun“ bedeutet das schon etwas für das Pferd. Es liest uns permanent auf seine instinktive Weise und verhält sich dementsprechend.

Unser Ziel ist also Menschen die Sprache der Pferde zu vermitteln, ihre Regeln, ihre Ausdrucksarten und Verhaltensweisen. Denn bevor das Pferd den Menschen verstehen kann, muss der Mensch das Pferd verstehen.


“It’s really amazing what a horse will do for you if he understands what you want. And it’s also quite amazing what he’ll do to you if he doesn’t.”BILL DORRANCE

Energiestufen

Pferde kommunizieren nach eigenen Regeln und setzen ihre Energie in verschiedenen Stufen ein. Ein Beispiel dazu, das sicher jeder kennt! Unlängst, auf der Koppel: ein Pferd will seinen Heuhaufen nicht mit seinem Artgenossen teilen. Nach welchen Regeln erfolgt die Kommunikation mit dem rangniederen Pferd, um ihm mitzuteilen, dass es zu gehen hat?

1. Das ranghöhere Pferd schwenkt seinen Kopf mit angelegten Ohren in die Richtung des anderen Pferdes.
2. Wenn dieses nicht reagiert wird es mit scharfen Blick und angelegten Ohren ein, zwei Schritte auf das andere Pferd zu machen.
3. Noch immer keine Reaktion? Nochmals das Gleiche, nun aber mit angedrohtem Biss.
4. Als letzte Konsequenz werden Zähne und Hufe eingesetzt um, das rangniedere Pferd zu vertreiben. Höchst selten aber macht es Ernst und trifft seinen Artgenossen.

Fazit? Pferde setzen sich innerhalb ihrer Kommunikation sehr energiesparend, dafür aber sehr konsequent durch! Aufforderung und Ziel sind unmittelbar miteinander verknüpft. Das Eine ergibt ohne das Andere keinen Sinn und signalisiert dem Pferd Zuverlässigkeit.

Und wir sind gut damit beraten dieses mehrstufige Verfahren bei der Kommunikation mit dem Pferd ebenfalls zu nutzen. Unser Ziel ist Energie so weit wie möglich zu reduzieren. Irgendwann haben wir so viel Vertrauen aufgebaut, dass uns unser Partner freiwillig und gerne folgt. Je weniger wir Kraft und Druck anwenden müssen, desto leichter und müheloser werden wir im Umgang mit dem Pferd. Ganz nach dem Motto „Weniger ist mehr“!


“Make the wrong thing difficult, and the right thing easy.”RAY HUNT

Einfühlungsvermögen

Einer der ganz großen Pferdeflüsterer, Bill Dorrance schreibt in seinem Buch „True Horsemanship Through Feel“ über die Reaktion der Pferde auf Gefühle. Bereits ein Fohlen lernt, dass die gleichen Bewegungen und Berührungen der Mutterstute verschiedene Botschaften enthalten können. Es lernt entsprechend zu folgen oder zu weichen und versteht die konkrete Absicht für das jeweilige Verhalten. Seine Erkenntnis daraus besagt, dass es sich dabei also um nichts anderes als dem Austausch gegenseitigen Gefühls handelt.

Pferde kommunizieren untereinander mittels zwei Formen von Gefühl:

  • mit direktem Gefühl, also mit tatsächlichen körperlichen Berührungen wie zB. mit gegenseitiger Fellpflege oder einem Huftritt
  • mit indirektem Gefühl, also gänzlich ohne körperlichen Kontakt wie zB. mit Blicken oder Ohrenspiel

Durch die reine Vermittlung von Gefühl dirigiert der Herdenchef seine Herde und sichert somit das gemeinsame Überleben. Im Herdenverband erfolgt die Unterhaltung zumeist mit indirektem Gefühl, mit minimalen Gesten und Bewegungen.

Der Mensch neigt im Umgang mit dem Pferd gerne zum direkten Gefühl, etwa durch die Berührung mit Händen und Schenkel – oder auch mit Hilfsmitteln wie Gebisse, Zügel oder Sporen.

Oder doch nicht? Wer sich von seinem Pferd nur 1-2 Schritte rückwärts bewegt oder ihm zur Seite ausweicht ist – meist ohne es zu bemerken – dem indirekten Gefühl seines Vierbeiners gefolgt. Und hat leider wieder aus Sicht des Pferdes einen Minuspunkt auf dem Beziehungskonto kassiert…

Wenn die Folgsamkeit des Pferdes nicht von Anfang an – und das beginnt schon beim Holen aus der Box – klargestellt ist, dann empfiehlt sich dringend das Trockentraining vom Boden aus. Denn so kannst du daran arbeiten euer Konto wieder auszugleichen und mit Leichtigkeit in den Sattel zu steigen.


“I try to feel what the horse is feeling and operate from where the horse is.“TOM DORRANCE