Interview mit Simone Frewin, Paparoa, Neuseeland –
Kaimanawa Expertin, selbständige Managerin von landwirtschaftlichen Betrieben

Kaimanawa (sprich „Kei-man-oa“) Pferde sind Wildpferde aus Neuseeland, die auf einer Fläche von ca. 63.000 Hektar in den Kaimanawa-Gebirgsketten der Nordinsel leben. Wildpferde? Eigentlich nicht! Denn tatsächlich sind es verwilderte Pferde, die von Hauspferden abstammen. Genauso wie Mustangs aus Nordamerika oder australische Brumbies.

Und so war es auch hier: 1814 haben die ersten Siedler Exmoor- und Welsh Mountain Ponys auf ihren Segelschiffen mitgenommen, sie waren damals ein wichtiger Bestandteil des Pionierlebens. Ein Teil dieser Pferde wurde in den 1870er Jahren freigelassen, durch Flucht oder absichtliche Freisetzung aus Farmen und der Kavallerie haben sich andere Pferderassen wie Vollblüter, Araber, Standardbred (Trabrennpferde) und Clydesdale (Kaltblutpferde) mit ihnen eingekreuzt.

Der Mensch: der Verursacher! Die unkontrollierte Vermehrung der Pferde –  in Neuseeland gibt es keine Raubtiere – mit einem Bestand von über zweitausend Tieren hat dazu geführt, dass sie aufgrund Futtermangels in einem sehr schlechten Zustand waren. Den Farmern waren sie ebenfalls ein Dorn im Auge, da sie Weideschäden verursachten, einzigartige Pflanzenarten in der Region waren durch Abgrasen zunehmend vom Aussterben bedroht. 1992 wurde ein „Programm“ entwickelt, um den Bestand zu dezimieren: viele wurden geschlachtet oder einfach durch Abschuss aus der Luft getötet.

Kaimanawa Heritage Horses

Tierschutzorganisationen widersetzten sich diesem grausamen Vorgehen. Mittlerweile erfolgt die jährliche Zählung und Ausmusterung „Musters“ unter den wachsamen Augen der „Kaimanawa Heritage Horses“ (KHH) kaimanawaheritagehorses.org.  Helikopter fliegen über das Gebiet und treiben die Pferde langsam wie in Zeitlupe und ohne jegliche Panik auf abgesperrte Wiesen. Tierärzte achten darauf, dass das Prozedere so fürsorglich wie möglich durchgeführt wird und kontrollieren den gesundheitlichen Zustand der Tiere.

Der Verein „KHH“ engagiert sich ebenfalls dafür, dass die aussortieren Pferde an private Besitzer weitervermittelt werden. Wenn gewünscht, gehen die Pferde vorab an Personen wie beispielsweise Simone Frewin, die sie dann behutsam an Mensch und Grenzen eingewöhnt. Auch die Eignung der neuen Heime werden überprüft und die Besitzer im Umgang mit diesen Pferden begleitet.

Kaimanawas sind aufgrund ihrer Durchmischung oft recht unterschiedlich im Erscheinungsbild. Sie sind kräftig, gut bemuskelt und zeigen alle Farben. Sie erreichen ein Stockmaß von 120 bis 150 cm und zeichnen sich durch ihre Ruhe, Neugier und schnelle Auffassungsgabe aus. Der Name „Kaimanawa“ kommt übrigens aus der Maori Sprache und bedeutet übersetzt „Den Wind essen“, da das Futterangebot in dieser Bergregion sehr karg ist und nicht als Wind übrig ist.

Das Interview

Gemeinsam mit Simone Frewin auf der Koppel

Wir besuchen Simone Frewin, früher ehrenamtliche „KHH“ „Muster“ Koordinatorin und Pferdefrau in ihrem gemütlichen Zuhause auf einem sanften Hügel. Ihr Haus ist umgeben von grünen Weiden, einer Koppel und einem Roundpen als Arbeitsbereich. Von ihrem Tisch aus im Garten kann man idyllisch ihre eigenen sowie die betreuten Kaimanawa Pferde beobachten, um die sie sich kümmert. Aktuell sind das 14 Hengste aus der letzten Ausmusterung, ihre beiden Hunde Spyder und Ludo springen spielend um uns herum. Überhaupt sehr „tierisch“ hier, Hühner und Schafe gehören ebenfalls zum Inventar.

Wir befragen Simone zu ihrem Pferdeleben und ihren weitreichenden Erfahrungen mit „KHH“, sie gibt uns einen Einblick in den Ablauf einer Ausmusterung.

Das Video mit deutschen Untertiteln dauert ca. 15 Minuten, du findest es auf unserem YouTube Kanal Interview mit Simone Frewin, Neuseelands Wildpferde zähmen.

Ein besonderer Moment

Die Pferde folgen Simone

Nach dem Interview holt sie ihre Kaimanawa Hengstgruppe von einer entfernteren Weide und wir dürfen endlich ihre Pferde kennenlernen. Sie sind scheu wie Rehe, so dass sich unsere Bekanntschaft auf Basis einer wesentlichen Übung unseres Onlinetraining Planes Modul 1 ausrichtet: Streicheln! Und zwar zunächst nur an Kopf und Hals, mehr lassen die meisten Tiere in diesem frühen Stadium noch nicht zu. „Abhängig vom jeweiligen Pferd kann das einige Tage, aber auch bis zu 3 Monate dauern, bis der nächste Schritt erarbeitet wird“, erzählt Simone.

Vertrauen aufbauen durch sanfte Berührung

Obwohl einer ihrer Hengste extrem „rüpelhaft“ erscheint, arbeitet sie ausschließlich daran, zunächst das Vertrauen der Pferde zu gewinnen. Das Thema Respekt kommt in der ersten Phase noch kaum zu tragen. Obwohl der kleine Hengst versucht unsere Reaktion abzutesten, indem er leicht nach uns schnappt, setzt Simone wenig Grenzen und drückt das Pferd nur sanft, aber bestimmt zur Seite. Zu wichtig ist ihr dieses erste Stadium, als strenger einzugreifen. Vertrauen aufzubauen ist ein wesentlicher Grundsatz in ihrer Arbeit mit den Wildpferden! Ihr Credo: Go at the horses pace – richte dich nach dem Tempo deines Pferdes!

Die Bestandteile des Videos:

  • Wie sieht dein Pferde-Werdegang aus?
  • Wie bist du mit den Kaimanawa Wildpferde in Berührung gekommen?
  • Erzähle uns etwas über den Verein „Kaimanawa Heritage Horses“ und deine Arbeit
  • Wie kann man sich ein „Muster“ vorstellen?
  • Wieviel kostet ein Kaimanawa Pferd?
  • Welchen Rat würdest du heute deinem „14-jährigen Ich“ in Bezug auf Pferde mitgeben?
  • Wann empfiehlst du NHS bei Pferden?
  • 3 Ratschläge an (zukünftige) Pferdebesitzer?
  • Spezielle Ratschläge für Kaimanawa Pferdebesitzer?
  • Was begeistert dich an am meisten an Kaimanawa Wildpferde?
  • Wie lange dauert es, bis sich in ihrer neuen Situation eingewöhnen?
  • Erkennen sich Kaimanawa Pferde später wieder?
  • Wer hat dich in deinem Pferdeleben am meisten beeinflusst?
  • Was ist das Schönste an deiner Arbeit mit Pferden?

Wir bedanken uns für das spannende Interview. 😉