Warwick Schiller hat uns in unserem letzten Gespräch empfohlen mit Meditation zu beginnen, um eine tiefere Verbindung mit Pferden aufzubauen.

Gesagt, getan! Noch in den USA haben wir die uns empfohlene App heruntergeladen, das WLAN in jedem Motel strapaziert und (fast) jede Nacht meditiert. Müde wie wir waren, sind wir dabei regelmäßig eingeschlafen, was jetzt auch nicht ganz der Sinn der Sache war. Einmal träumte ich nach einer Meditation sogar höchst kreativ von den Reitern im Film „Avatar – Aufbruch nach Pandora“. Wer sich erinnern kann: dort „verbindet“ sich das Volk der blauhäutigen Na’vi über ihren Zopf mit den Pferden. Ach wäre das schön, wenn es so einfach ginge…

Ranchgirls BlogZurück zuhause und im Alltags-Modus haben wir die Meditation fortgesetzt. Es fällt doch um einiges leichter, wenn man im gewohnten Umfeld frei von jeglicher Ablenkung ist. Ruhe hat und sich fixe Uhrzeiten vornimmt, bei mir jeden Tag vor dem Frühstück. Dauer: 15 Minuten! Ich muss zugeben, zu Beginn habe ich es oft auf „später“ verschoben, weil ich noch „dringende“ Sachen zu erledigen hatte. Ein Telefonat hier, ein Email da, schnell was im Internet recherchieren, bevor ich es vergesse! Fazit – die Meditation fiel an diesem Tag komplett aus. Aber man lernt ja dazu! Im nächsten Monat habe ich mir die „dringenden“ Sachen lieber notiert und gleich mit der Meditation begonnen.

Nur 15 Minuten – eine Investition in uns und unser Leben, die sich in jedem Fall rentiert!

Wo beginnt die Versammlung?

Heute – ein halbes Jahr später habe ich eine spannende Erfahrung gemacht, die ich unbedingt niederschreiben wollte. Am Ende jeder Meditation kommt gewöhnlich die Aufforderung der freundlichen Stimme, gedanklich zu beschreiben, wie man sich jetzt gerade fühlt. Und heute kam mir ein spannender Gedanke in den Sinn: Ich fühle mich „versammelt“! Gelassen, aufmerksam und in meiner Mitte ruhend. Ich weiß nicht, ob du meine Worte aufnehmen kannst, weil Gefühle manchmal schwer zu beschreiben sind. Vielleicht hilft es, diese Worte noch mal in Zeitlupe zu lesen: gelassen! aufmerksam! in meiner Mitte ruhend!

Aber ist das nicht haargenau der Zustand, den wir mit unserem Pferd erreichen möchten, wenn wir es in hohen Lektionen reiten? Wir wünschen uns ein gelassenes, aufmerksames und in sich ruhendes Pferd. Den körperlichen Aspekt lassen ich hier jetzt mal aus, aber – laut Wikipedia umfasst die Versammlung beim Pferd aus ganzheitlicher Sicht: die physische, mentale und emotionale Bereitschaft sich unmittelbar in jede Richtung des Raumes zu bewegen.

Ranchgirls Blog

Aber wo sind WIR eigentlich geistig, wenn wir mit unserem Pferd arbeiten? Sind wir Menschen beim Pferdetraining auch „versammelt“? Schon beim Aufwärmtraining kann man daran arbeiten: bewusst atmen, den inneren Schwerpunkt im Bauch aktivieren, unsere Gedanken sortieren und auf die geplanten Übungen zu fokussieren. Ganz egal, ob die Pferdekommunikation vom Boden oder vom Sattel aus stattfindet.

Bei unserem Besuch bei Warwick war uns nicht sonderlich klar, was sich durch Meditation in unserem Leben verändern würde. Welche Auswirkung das auf unsere Horsemanship Arbeit und Beziehung mit unseren Pferde haben würde. Wir haben doch bereits eine starke Verbindung zu unseren Jungs!

Ohm!

Jetzt – nach einem halben Jahr Meditation stellen wir langsam erste Veränderungen fest: es ist das wunderschöne Gefühl des stillen Selbstvertrauens und der Ausgeglichenheit, das sich mehr und mehr entwickelt. Und abrufbar wird, wenn man es braucht. Wie ein wunderschöne Knospe, die sich ganz langsam öffnet. Kein schneller Prozess – es braucht seine Zeit.

Unbestritten: das tägliche Training unseres Geistes hilft im Training mit Pferden! Wir lernen unsere Gefühle und unsere Gedanken zu verändern, indem wir uns erlauben, sie aus anderen Perspektiven zu betrachten: negative Erfahrungen, die uns nicht gefallen, gehören nun mal zu unserem Leben dazu – ABER – wir lernen in der Meditation, negative Gefühle los zulassen. Weniger kritisch mit uns und unseren Pferden zu sein. Dadurch fühlen wir uns besser, erleben harmonische Beziehungen mit unseren Tieren und sind mehr im Einklang mit der Welt. Und damit meinen wir nicht nur das Umfeld im Pferdestall, sondern die ganze Umwelt, mit allen Menschen um uns herum!

Aus Liebe zum Pferd,
Eure Ranchgirls