Früher gab es Tage, wo ich nach einem langen Arbeitstag zu meinem Pferd gefahren bin und danach frustriert festgestellt habe „Verdammt, heute hat einfach gar nichts geklappt!“.  Rückblickend betrachtet waren das einfach Tage, wo ich nicht ganz bei mir war, in Gedanken noch immer bei der Produktion irgendwelcher Präsentationen, Angebote oder unangenehmen Terminen. Ich war zwar mit meinem Körper präsent, nicht aber mit meinem Geist. Ich war zu viel mit mir selber beschäftigt, so dass ich nicht wirklich wahrgenommen habe, was gerade rundherum passiert. Meine Kommunikation war nicht eindeutig – zwar hat Twister reagiert, aber unsere Magie war nicht da. An solchen Tagen drehte er beispielsweise gerne seinen Kopf weg und ging einen kleinen Schritt zur Seite, wenn ich ihn von seinem Paddock holen wollte, als er mich mit seinem Knotenhalfter kommen sah. Es sind diese kleinen Signale, die aber so unheimlich viel aussagen. Das schlimmste: damals war mir nicht mal bewusst, was für eine starke Botschaft das aus dem Vokabular der Pferdesprache an mich war: „wenn du für mich nicht da bist, bin ich für dich auch nicht da“.

Die Kraft der positiven Gedanken

Leider lassen sich miese Tage im Job nicht vermeiden, sie gehören zu unserem Alltag dazu. Passiert das heute, versuche ich erst einmal bei meinem Pferd „anzukommen“, bleibe bei ihm stehen und versuche positiv zu denken. „Was für ein unheimlich schönes Pferd bist du doch, für ein großartiger Partner! Ich schätze deine Sanftmut und deine Kraft, deine Berührungen durch deine Nüstern in meinem Gesicht, ich liebe es dich zu streicheln.“ Dabei versuche ich zu lächeln (denn wir wissen – Physis beeinflusst Psyche!) und lasse mir viel Zeit. Ich verwerfe alle Gedanken, an die für heute geplanten Leistung und Aufgaben, sondern versuche mich mit ihm zu kalibrieren. Ich schenke ihm meine ganze Aufmerksamkeit, meine Botschaft lautet „du bist mir wichtig“.

Manchmal kann es schon länger dauern, bis er dann wieder diesen einen Tritt auf mich zukommt. Ich bewege mich nicht, wir stehen eine viertel Stunde gemeinsam still und bewegungslos da. Ich bemerke, wie er langsam den Kopf senkt, dabei entspannt und zu dösen beginnt. Er lehnt ganz leicht seinen Kopf an meine Hüfte, so als ob er meine Anwesenheit ganz sachte spüren will und ich passe auf ihn auf. Ich stelle mir vor, wie sein Herzschlag sein könnte und ob ich es wohl schaffen könnte, unseren Herzschlag auf einen Nenner zu bringen.

Auf der Spur nach innerer Verbundenheit

Es fühlt sich wie eine gemeinsame Meditation an und erschafft Frieden. Plötzlich fühle ich unsere gemeinsame Verbundenheit wieder – mental, emotional und physisch zugleich. Ich weiß: meine geistige und körperliche Präsenz ist die Grundlage für unsere wahre Verbindung. Denn wenn wir uns dazu entscheiden unserem Pferd mit Aufmerksamkeit zu begegnen, ernten wir tiefes Vertrauen.

Nehmt ihr euch Zeit für solche Momente? Wir sind der Ansicht, dass diese Übung eine der wichtigsten für den Aufbau eines guten Beziehungsfundaments ist. Jede Minute, die wir darin investieren, zahlt sich für einen sicheren und vertrauensvollen Umgang mit unserem Freund aus. Und eigentlich geht sie soooo einfach …

Wir wünschen euch viel Spaß mit eurem besten Freund!

Aus Liebe zum Pferd,
Eure Ranchgirls