Auf den Spuren großer Horseman

So weit, so gut!
Teil 2 unserer Weiterbildungsreise führt uns viele Meilen über den Highway nach Norden. Wir sind sehr neugierig, Warwick Schiller (NRHA Reserve World Champion und renommierter Horsemanship Trainer) persönlich kennen zu lernen. Wir sind große Fans seiner „Principles of Training“ auf www.warwickschiller.com und dürfen ihn auf seiner Ranch in Hollister besuchen. Den Termin haben wir bereits vor mehreren Monaten vereinbart – wir sind leicht nervös, ob er sich überhaupt noch daran erinnert? Die Tore zu seiner Ranch sind weit geöffnet und wir fahren auf sein Anwesen. Wir erkennen ihn sofort, er ist gerade damit beschäftigt ein Pferd abzuduschen. Und wie er sich erinnert 😉 …

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Auf Tuchfühlung mit den Schillers

Mit ausgebreiteten Armen und breitem Grinsen kommt er auf uns zu und begrüßt uns mit festem Händedruck. Er ist herzlich und gänzlich unkompliziert, Minuten später sind wir mit seiner Frau Robyn und seinem Sohn Tyler ins Gespräch verwickelt. Wir sehen kaum Personal, alle drei arbeiten fleißig auf der Ranch und jeder hat seine eigenen Aufgaben. Wir kommen in den Genuss einer ausführlichen Führung und Warwick stellt uns seine Pferde vor: Bundy und Sherlock kennen wir aus seinen Videos bereits sehr gut. Auf seiner gepflegten Ranch befinden sich ein großer Reitplatz, ein Roundpen, ein Stallgebäude mit 6 Boxen mit Paddocks und mehrere eingezäunte Koppeln.Ranchgirls Blog

Im Anschluss führen wir unser vorher angekündigtes Video-Interview mit ihm, dass wir immer im Rahmen unserer Pferdereisen #ranchgirlsontheroad mit beeindruckenden Pferdemenschen drehen. Abends freuen wir uns über die persönliche Einladung der Schillers zum Abendessen, wir sitzen gemütlich im kleinen Kreis im Freien und essen Pizza. Die nächsten Tage bringen wir damit zu, verschiedene „Problempferde“ zu analysieren und Techniken beziehungsweise Übungen kennen zu kennen zu lernen, um Besitzer wie Pferd zu helfen.

Warwick Schiller im Portrait

Geboren und aufgewachsen in Australien, begann er schon als kleiner Junge zu reiten. Fasziniert vom Westernsport, beschloss er Anfang 20 für ein Jahr nach Amerika zu gehen. „Ich wollte die wirklich coolen Manöver wie Spins, Slidingstops und Rollbacks lernen“, erzählt uns Warwick Schiller. Das Rückflug Ticket nach Sidney bereits in Händen, erhielt er spontan ein verlockendes Angebot als Pferdetrainer in Kalifornien zu arbeiten. Er musste nicht lang überlegen und kehrte seiner Heimat Australien den Rücken, um seinen Traum als Pferdetrainer in Erfüllung gehen zu lassen. Mittlerweile lebt er mit seiner Frau Robyn, zwei kleinen Hunden und seinen Pferden auf seiner eigenen Ranch, mit einem hübschen Reitplatz, einem großen Roundpen, mehreren Paddocks und Koppeln. Heute arbeitet Warwick mit Pferd und Reiter aller Disziplinen. Sein großes Talent ist die Fähigkeit, sein Wissen leicht verständlich und gespickt mit amüsanten, aber anschauungsgetreuen Beispielen zu vermitteln.

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Neues Mindset: eine veränderte Trainingsphilosophie

Als Pferdeausbilder trainierte er viele Jahre erfolgreich auf der Grundlage des klassischen Natural Horsemanship mit autoritärem, aber fairen Zugang und positiver Verstärkung. Mittlerweile legt er bei jeder Begegnung mit Pferden großen Wert darauf, eine emotionale Verbindung zu aufzubauen. Wie er das anstellt? „Die große Kunst ist dem Pferd zuzuhören und seine Botschaften richtig zu lesen, anstatt vermenschlichte Geschichten in ihre Reaktionen hinein zu interpretieren.“

Botschaften, die sich in zahlreichen, winzig kleinen Reaktionen ausdrücken, sobald er mit einem Pferd arbeitet: Die Veränderung der Position der Ohren, die Blickrichtung, die Bewegungen um das Pferdemaul und Nüstern, die Konsistenz der Muskeln, die Aktion der Hufe, die Bewegung des Schweifs etc. Imposant, wie er nach jeder gestellten Aufgabe die Fähigkeit besitzt, all diese Reaktionen beim Pferd in Sekundenschnelle, gesamtheitlich zu interpretieren und entsprechend darauf zu reagieren.

Warwick Schiller verfügt über die wertvolle Eigenschaft, in jeder Situation ruhig und gelassen zu bleiben. Bei allen Antworten der Pferde nach einer Aufgabe gibt es für ihn kein „richtig“ oder „falsch“. Immer nur ein „besser“ oder ein „schlechter“, wobei er jedes „besser“ immer sofort mit einer langen Pause belohnt.

Das Training

Im Laufe vieler Jahre hat Warwick eine Liste mit zwölf Ausbildungsgrundsätzen, den „Principles of Training“ zusammengetragen. Jedes „Problem“ mit einem Pferd, kann auf Basis dieser Prinzipien gelöst werden. Meditation hat vieles in seinem Leben verändert! Es geht um Achtsamkeit, dem Pferd zuzuhören und dem Faktor Zeit, dem Pferd mit Geduld zu begegnen. Wieder ist es die Atmung, die uns im Pferdetraining begegnet: bei „besseren“ Reaktionen belohnt Warwick, zusätzlich zur Pause, mit einer tiefen Bauchatmung. Die Reaktion ist bemerkenswert, die Entspannungssignale zeigen sich bei den Pferden innerhalb kürzester Zeit. Jetzt heißt es nicht stören und dem Pferd Zeit lassen, um den Prozess nicht zu unterbrechen. Tatsächlich „übernimmt“ dann der Parasympathikus – der „Ruhe- oder auch Erholungsnerv“ – beim Pferd das Ruder: Angst, Nervosität oder Anspannung werden zunehmend abgebaut. Erst im entspannten Zustand ist das Pferd lernbereit und kann sich besser auf uns konzentrieren.

Die Kraft der Vorstellung

Allein die mentale Vorstellung jeder Aufgabe als erste Energiestufe, vor der schrittweise gesteigerten physischen Hilfengebung, trägt bei regelmäßigem Training dazu bei, das Pferd später subtil und scheinbar nur mehr mit Gedanken zur gewünschten Aktion zu bewegen. Im Umgang mit dem Pferd wirkt es tatsächlich so, als könnte Warwick Pferde nach mehreren Wiederholungen der Aufgabe durch seine bloße Vorstellungskraft bewegen. Dazu nutzt er die mentale Vorstellung zunächst als erste Energiestufe, um dem Tier eine Aufgabe zu stellen. Danach steigert er die physischen Hilfen schrittweise, bis es reagiert. Diese Hilfen fährt er nach und nach wieder zurück – bis das Pferd sich scheinbar allein auf Basis seiner Gedanken bewegt. Nur wer bei der Arbeit mit dem Pferd konzentriert bei sich und dem Tier ist, darf auch von seinem vierbeinigen Freund die volle Aufmerksamkeit erwarten.

Unser Fazit: Es waren anstrengende, heiße, aber wieder sehr lehrreiche Tage für uns. Wir sind sehr dankbar, Warwick persönlich kennengelernt und erlebt zu haben. Und weil es so schön war, gönnen wir uns danach ein paar Tage Entspannung! Wie? Selbstverständlich am Strand, aber nicht ohne Pferde! Wir können einfach nicht anders…

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Beach-Ride in Santa Barbara

Das Interview

Warwick Schiller – ein #grossartigerpferdemensch ganz persönlich im Interview, mit spannenden Einblicken über seine Veränderung als Trainer und Horseman! Das ganze Interview mit deutschen Untertiteln (Dauer ca. 16 Minuten) kannst du dir hier ansehen.

Die Bestandteile des Videos:

  • Wie sieht dein Pferde-Werdegang aus?
  • Welchen Rat würdest du heute deinem „14-jährigen Ich“ in Bezug auf Pferde mitgeben?
  • Wann empfiehlst du NHS bei Pferden?
  • 3 Ratschläge an (zukünftige) Pferdebesitzer?
  • Was begeistert dich an deiner Arbeit mit Pferden?
  • Wer hat dich in deinem Pferdeleben am meisten beeinflusst?
  • Was ist das Schönste an deiner Arbeit mit Pferden?

Aus Liebe zum Pferd, Eure Ranchgirls